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Kolumne: Das mit dem Timing

Eine minimalistische Uhr, die nur aus einem Kreis und Zeigern besteht

Timing ist eine schwierige Sache. Wer über Games redet, ist quasi an den Hype-Zyklus gebunden, der vor jedem größeren Release stattfindet. Um die Chefredakteurin von Kotaku zu zitieren: Manchmal fühlt es sich so an, als sei ein Spiel am interessantesten, bevor es überhaupt erschienen ist. Dann kommt der große Knall am Releasetag. Reviews, Wertungen, Meinungen und Metacritic-Scores (meistens im 80er-Bereich) fliegen durch den Raum. Doch auch das ist schnell vorbei und der Diskurs zieht weiter zum nächsten Spiel. Außer natürlich es gibt Probleme, wie etwa zuletzt bei Cyberpunk 2077. Negatives zieht halt immer mehr als gute Nachrichten. Aber so funktioniert halt das System und der Algorithmus der dahintersteckt. Es ist kein Geheimnis, dass Skandale und Drama mehr geklickt werden als ehrliches Lob. Je emotionaler, desto mehr wird interagiert. Die Uhr tickt also und die Möglichkeiten scheinen begrenzt.

Kleine Creator*innen haben natürlich mehr Freiheit über die Themen ihrer Wahl zu reden. Oftmals versucht man aber meiner Erfahrung nach trotzdem irgendwie am großen Zyklus entlangzuplanen. Ein neuer Teil von Reihe X erscheint? Na dann schaue ich mir mal die alten Spiele oder vergleichbare Reihen an. Da wird der Algorithmus bestimmt auch gnädig sein. Und dann machen das zu viele und man geht wieder unter. Noch schlimmer ist nur das Gefühl, wenn man eine fette, situationsunabhängig originelle Idee hat und während man plant und einschätzt, haut jemand anderes genau das gleiche raus. Fuck. Was macht man da? Man hat ja schon Zeit und Arbeit investiert, aber will auch nicht wie ein Trittbrettfahrer aussehen, nur weil man ein bisschen zu langsam war. Oder vielleicht gezögert hat?

Zögerlichkeit und Zweifel sind manchmal wirklich der Endboss. Da schreibst du nach langer Recherche einen ausführlichen Artikel und bist plötzlich unsicher ob das gerade wirklich passt oder ob das Thema doch nicht aktuell oder relevant genug ist. Vielleicht haben sich auch die Schaffenden hinter dem, was du besprechen wolltest als ziemliche Arschgeigen herausgestellt und du möchtest dem Thema, auch wenn es dir am Herzen liegt, keine Plattform mehr bieten. Am Ende steht man wieder mit leeren Händen/Webseiten da und wartet. Auf den perfekten Zeitpunkt. Auf das perfekte Thema. Auf die perfekte Stimmung, Motivation, was auch immer. Timing.

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