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Review: Katana Zero (Nintendo Switch)

Devolver Digital gehört seit Hotline Miami zu meinen liebsten Videospiel-Publishern. Es ist diese Mischung aus meist kleinen, ungewöhnlichen Spielen von verschiedenen Entwicklern, die aber immer einen gewissen Qualitätsanspruch erfüllen, die mich immer wieder hyped wenn Devolver etwas Neues veröffentlicht. Auch bei Katana Zero konnte ich nicht widerstehen und habe mir das Spiel direkt am Releasetag auf meine Nintendo Switch heruntergeladen.

Katana Zero spielt in einer dystopischen Welt, durchzogen von Regen und Neonlicht. Ihr übernehmt die Rolle des Auftragskillers Zero, der durch eine im Krieg erlittene Verletzung an Gedächtnisproblemen leidet. Zero besucht regelmäßig einen Therapeuten, der mit ihm über seinen Zustand spricht, ihn mit Medikamenten versorgt und ihm seine neuesten Aufträge übermittelt. Diese Gespräche treiben die Geschichte voran und ihr dürft aktiv Einfluss auf deren Verlauf nehmen. Je nachdem, ob man sich in Konversationen freundlich verhält oder sogar Zeros Gegenüber komplett zurückweist, erhält man verschiedene Reaktionen und Informationen.

Die Handlung von Katana Zero dreht sich um die Droge Chronos, die auch die Quelle von Zeros Zeitkräften ist. Als er mit dem russischen Gangster V aneinandergerät, kommt er auf die Spur finsterer Machenschaften, die sich als weitreichender offenbaren als Zero es je hätte ahnen können. Durch den Einfluss der Droge und seine Verletzung wird Zero immer wieder zum unzuverlässigen Erzähler, der mit Erinnerungsfragmenten, Albträumen und anderen inneren Dämonen zu kämpfen hat. Darum sollte man als SpielerIn auch nicht mehr als nötig wissen, sondern sich einfach ins Spiel stürzen.

Den Hauptteil des Spiels machen die Aufträge aus, die Zero an unterschiedliche Schauplätze, wie etwa einen Wolkenkratzer, einen Nachtclub oder ein Schlachthaus führen. Auf den ersten Blick ist das Spiel ein Action-Platformer mit einigen Geschicklichkeitseinlagen. Meist ist es euer Ziel, alle Gegner in einem Areal auszuschalten und dann weiterzuziehen, bis ihr die Zielperson findet. Dabei sterben sowohl die Feinde als auch Zero nach einem Treffer. Katana Zero baut dieses Trial & Error-System auf interessante Weise in seine Geschichte ein: Zero besitzt die Fähigkeit der Vorahnung. Er nimmt Zeit anders wahr als normale Menschen und kann so einen Plan ausarbeiten. Mit jedem Anlauf plant Zero also einen Weg durchs feindliche Gebiet und kommt letztendlich gemeinsam mit euch zu einem perfekten Durchlauf. Als Belohnung darf man sich dann ein Replay des erfolgreichen Versuchs ansehen, in dem ihr eure eigene tödliche Choreografie noch einmal begutachten könnt. Mit der Zeit ergibt sich daraus ein Spielgefühl, das eher an ein Rätselspiel erinnert. Man betritt einen Raum und versucht das Puzzle auf elegante Art und Weise zu lösen.

Als ich ein paar Tage nach dem Durchspielen zu Katana Zero zurückkehrte um die optionalen Inhalte zu vervollständigen, fiel mir erst richtig auf wie gut mir das Spiel die Steuerung beigebracht hatte. Frühere Levels waren beim ersten Mal echt schwer zu knacken, doch beim erneuten Durchlauf ist man so sehr mit den eigenen Möglichkeiten vertraut, dass man sich wie ein Gott durch die Reihen der Feinde schnetzelt. Neben Sprüngen, Angriffen mit dem Schwert und allerlei in den Levels verteilten, werfbaren Gegenständen kann Zero mit einer Ausweichrolle gegnerischen Projektilen und Angriffen entgehen. Zusätzlich kann mit einem Schwertschlag und gutem Timing eine Kugel mit dem Schwert reflektiert werden. Um das Ganze abzurunden (und um das mit dem Timing nicht ganz so bestialisch schwer zu machen) kann Zero auf Kommando die Zeit verlangsamen und euch so bei punktgenauen Aktionen helfen.

Die faszinierende Handlung und die dynamischen Kämpfe werden von einer hübschen Pixeloptik, einem starken Synthwave-Soundtrack und einer ordentlichen Portion Liebe zum Detail abgerundet. Die Grafik sieht auf den ersten Blick nach typischem Indie-Pixellook aus, nutzt aber viele kleine Animationen und Details um die Charaktere und Settings im Spiel ausdrucksstark zu machen. Die Farbpalette ist, passend zum Setting, eine Mischung aus trostlosem Grau und leuchtenden Neonfarben. Die Musik besteht zum Großteil aus pumpenden Synthwave-Tracks, die der flotten Live-Die-Repeat-Action zusätzlichen Fluss geben, denn nicht nur ihr bekommt sie zu hören: Zero setzt am Anfang jedes Levels selbst Kopfhörer auf und startet die Songs. Und auch ich höre den Soundtrack während ich diesen Text schreibe, denn er ist einfach super atmosphärisch und antreibend.

Alles in allem habe ich etwa sechs Stunden gebraucht um alles in Katana Zero zu erledigen. Es ist eines dieser Spiele, die knackig aber nie frustrierend sind. Wenn man an einer Stelle festhängt, hilft es meist, seine Strategie zu überdenken und Ansätze auszuprobieren, bis man plötzlich die zündende Idee hat und das Level triumphal beenden kann. Am Ende saß ich da und wollte mehr. Zum Glück hat der Entwickler Askiisoft bereits einen kostenlosen DLC angekündigt, der auch noch etwas zur Handlung beitragen wird. Kauft es. Spielt es. Es ist fantastisch. Genug gesagt.

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